david knes

Reininghaus: Wie ein Stadtteil vom Reißbrett wirklich lebenswert werden soll

52 Hektar groß und nur 1,8 Kilometer von der Altstadt entfernt, entsteht in Reininghaus ein neuer Stadtteil. Die Fläche, die derzeit noch von den alten Brauereigebäuden dominiert wird, bietet dann Wohnraum für 12.000 Menschen. Moderne Wohnbauten und Hochhäuser werden das Stadtbild prägen, auch über 8.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Politik und Investoren versprechen einen modernen Stadtteil mit höchster Lebensqualität. Dass hübsche Architektur dafür nicht ausreicht, versteht sich (fast) von selbst. Doch wie bringt man richtiges Leben in einen neu gebauten Stadtteil dieser Dimension? Wie kann bei 12.000 „zusammengewürfelten“ Menschen ein Nachbarschaftsgefühl entstehen? Decken sich die Interessen der Anleger mit den öffentlichen? Wie hängt eine Abstimmung von 2012 mit dieser Sache zusammen?

Dass der Flair eines Stadtteils nicht von oben diktiert werden kann, sonder am besten „bottom-up“ stattfindet, hat die Kulturmanagerin und Stadtteilaktivistin Maria Reiner mit zahlreichen Projekten im Grazer Annenviertel gezeigt. Der Architekt Andreas Goritschnig arbeitet mit dem open.lab Reinighaus seit 2015 an der Belebung des Areals und übernimmt nun für zwei Jahre das Quartiersmanagement.

Im Gespräch mit David Knes erklären die beiden ihre Sicht der Dinge und erörtern, wie man mit einer Chance, wie sie eine Stadt nur selten bekommt, umgehen sollte.

Taugt Graz als Gründerstadt?

In der neuen Ausgabe unseres Podcasts loten wir die Rolle von Graz als Nährboden für Gründer aus und blicken auf eine rasch wachsende Szene, die sich nicht nur nach möglichst vielen Flugverbindungen sehnt.

1999 hat Martin Pansy gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen SMS.at gegründet. Heute steht der Grazer längst an der Spitze von weiteren erfolgreichen Start-ups wie Nuki, einem Spezialisten für smarte Türschlösser, oder der Unternehmensschmiede Up2Eleven. Gemeinsam mit Wirtschafts-Redakteur Markus Zottler und Andrea Keimel, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftsentwicklung in Graz und profunde Kennerin der Gründer-Szene, erläutert Pansy die Frage, ob Graz als Gründerstadt eigentlich taugt.

Erklärt wird etwa, warum wohl „kein zweites Facebook aus Graz kommen wird“, Gründen in der steirischen Landeshauptstadt heute trotzdem „hip und schick“ ist und sich die Stadt aktuell mit Linz „matcht“. Im Fokus steht freilich auch die Rolle der Politik im Gründungsprozess. Martin Pansys These: „Die öffentliche Hand bringt als Auftraggeber für Start-ups viel mehr, als es Geldförderungen tun.“

Verbrechen: Der Phantommörder

November 1981: Wenige Momente zuvor genoss Franz Gross noch einen netten Abend mit seinen Kollegen in einem Grazer Tanzlokal. Kurz vor ein Uhr morgens verlässt die Gruppe das Lokal – nicht ahnend, dass einer von ihnen gleich einem Attentat zum Opfer fallen wird. Ein maskierter Täter schießt auf Gross und entkommt unerkannt. Der 53-Jährige stirbt wenig später. Seine geschockten Kollegen sind Zeugen des Verbrechens, können zur Aufklärung aber nicht viel beitragen. Nichts im Umfeld des beliebten Familienvaters und Postbeamten liefert irgendein Motiv oder eine Erklärung für die Bluttat. Dennoch präsentiert die Polizei bald einen Verdächtigen – Die bereits zweite fatale Verwechslung in diesem Fall. Der Anschlag galt nämlich einem Unterweltboss und der erste Verdächtige hat nur eines mit dem Mordopfer gemein: seine Unschuld.

Der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, Hans Breitegger, erklärt in diesem Podcast die Hintergründe dieses einzigartigen Falles und wie in den folgenden Jahren nicht nur seine Journalistenkollegen und er unter Druck gesetzt wurden, sondern spricht auch über Mafia-Verbindungen, erpresste Justizvertreter und ein letztendlich eingestelltes Verfahren.

Ergänzung zur Folge über die Geiselnahme

In Reaktion auf unsere letzte Folge hat sich Gerhard Ofner bei uns gemeldet. Er war damals als einer der Beamten der Einsatzgruppe zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher derjenige, der als erster in die Ordination des Arztes gelangt ist und zusammen mit einem Kollegen den Arzt und den Rettungsfahrer geborgen und in Sicherheit gebracht hat.

Das sind seine Ergänzungen zu dem Podcast (zusammengefasst):

  • Nicht nur bei der Gendarmerie wurde das „GEK“ aufgebaut, sondern auch in den Bundespolizeidirektionen wurden „Einsatzgruppen zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher“ gebildet und Kriminalbeamte entsprechend ausgebildet und ausgerüstet. Das geschah ohne besondere Information der Öffentlichkeit.
  • Damals waren Beamte dieser Einsatzgruppe der BPD-Graz im Einsatz. Der Auftrag: „unblutige Beendigung der Geisellage, Befreiung der Geiseln und Festnahme des Täters“. Waffengebrauch im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen. Bei unmittelbar drohender Gefahr für das Leben der Geiseln war sofortiges Einschreiten (Konfrontation mit dem Täter) angeordnet. Die körperliche Unversehrtheit und das Lebens der Geiseln war unter allen Umständen zu schützen.
  • Nach der Bergung des Arztes und des Rettungsfahrers über die Feuerwehrleiter, wurde die Lage – die zuvor weitgehend unklar war – erkundet. Der Täter konnte immer wieder durch das Türschloss beobachtet werden. Die an dieser Türe stehenden Geiseln wurde erklärt (Gespräche im Flüsterton waren möglich), wie sie sich im Falle eines möglichen Sturms des Warteraumes verhalten sollten. Diese Informationen wurde auch unter den Geiseln weitergegeben.
  • Die Zeit, die bis zum Eintreffen des GEK vergangen war, war nicht „vergeudet“. Schon damals gab es Erkenntnisse über die Bewältigung von Geisellagen und die Führung von Verhandlungen, die einerseits den Täter ermüden, fehleranfällig und unaufmerksam machen und andererseits den Einsatzkräften Raum zur Entwicklung entsprechender Strategien schaffen sollten. Diese Taktik der Sicherheitsbehörden bei Geisellagen war und ist bis heute absolut lege artis. In diesem Sinne erfolgte auch die Einsatzplanung und die Auftragserteilung an das Zugriffsteam der BPD-Graz.

 

 

Verbrechen: Als eine Geiselnahme die Stadt in Atem hielt

Diese Ausgabe ist etwas anders als die vorherigen: Wir haben uns gedacht, zwischendurch über interessante Grazer Kriminalfälle zu sprechen. Den Anfang macht eine Geiselnahme.

Es waren wohl die 20 längsten Stunden im Leben der Geiseln und ihrer Angehörigen – so lange dauerte die Geiselnahme durch Josef Kis-Lukac, der frustriert und bewaffnet am Montag, dem 16. Juni 1980, kurz vor Mittag in eine Arztpraxis in der Grazer Annenstraße eindringt.

Der Arzt und ein Sanitäter können fliehen, die restlichen Geiseln bangen um ihr Leben. Der Täter zwingt eine junge Ordinationsgehilfin mit vorgehaltener Waffe, seine Forderungen nach außen zu kommunizieren. Konkret mit einer damaligen Redakteurin der Kleinen Zeitung, Helena Wallner. Stundenlang vermittelt Wallner mit der Ordinationsgehilfin zwischen Geiselnehmer, Zeitung und Polizei.

Hans Breitegger, Kriminalreporter der Kleinen Zeitung (inzwischen in Pension), berichtete damals in unmittelbarer Nähe des Tatortes von dem Verbrechen. Hier lässt er die dramatischen Stunden von damals Revue passieren. Breitegger erzählt darin nicht nur von von der Geiselnahme, sondern auch von Startproblemen des ersten Cobra-Einsatzes (die Spezialeinheit war kurz zuvor gegründet worden) und anderen spannenden Hintergründen.

Dieser Podcast ist übrigens das erste von zwei Gesprächen mit Hans Breitegger. Im nächsten Podcast erzählt er von einer folgenschweren Verwechslung: Ein Unschuldiger fällt dem Kampf zweier Unterweltbosse zum Opfer. Infolge werden nicht nur Justiz, sondern auch die Journalisten, die immer wieder unangenehme fragen stellen, immer mehr unter Druck gesetzt…

Den coolen Jingle, der unsere Episoden einleitet und beendet hat uns übrigens der Grazer Blockoland zur Verfügung gestellt, vielen Dank!

Folge 4: Ist Graz eine sichere Stadt? Und was haben Drogen damit zu tun?

Der Polizist Manuel Leitner und der Streetworker Roland Maurer-Aldrian sprechen mit Redakteurin Verena Schaupp nicht nur über Sicherheit: Wie kommt es zu steigenden Zahlen bei Drogendelikten, warum ist die gesetzliche Lage dabei unzufriedenstellend oder was antwortet ein Streetworker, wenn er gefragt wird „Brauchst du was“?

„Dass die momentane gesetzliche Lage unzufriedenstellend ist, ist offensichtlich. Wir kontrollieren und kontrollieren aber das Bild ändert sich nicht.“ – Manuel Leitner, Polizist

„Wenn wir gefragt werden ‚Brauchst du was?‘, stellen wir oft die Gegenfrage ‚Na, brauchst du was?‘, um ins Gespräch zu kommen.“ – Roland Maurer-Aldrian, Streetworker

Die Gäste erklären auch, in welchem Zusammenhang unser subjektives Sicherheitsgefühl mit Polizeipräsenz und objektiven Kriterien steht und warum der Stadtpark nicht so unsicher ist wie sein Ruf. Spannend: die Einblicke der beiden Gäste auf die Kluft zwischen Drogengesetzen, ihrer Exekution und ihrer offenbar mangelnden Wirkung auf die gelebte Realität in Graz. Ein etwas anderes Problem könnte das geplante Rauchverbot für unter 18-jährige bringen. Die unterschiedlichen Strafen für das Rauchen von Cannabis und Tabak könnten dann für Verwirrung und falsche Anreize bei Jugendlichen sorgen.

Verkehr: Welchen Fragen muss sich ein lebenswertes Graz stellen?

Folge 3, Verkehr: „Wie viele Autos kann eine Straße bewältigen?“ In der modernen Stadtplanung ist das genau die falsche Frage – vielmehr müsste man fragen „wie viele Menschen kann man bewegen?“ Sollten Straßen überhaupt nur der Mobilität dienen oder auch anderen Funktionen des öffentlichen Raums? Und wo steht Graz in dieser Debatte?

Graz-Redakteur Gerald Winter-Pölsler,  die ehemalige Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Lisa Rücker und der TU-Verkehrsforscher Martin Fellendorf diskutieren in dieser Ausgabe von Graz – Laut gedacht darüber, warum das Auto auch in der Stadt noch länger eine Rolle spielen wird, wie man Straßen mit anderen Augen sehen kann und warum Stau nur wenig mit Verkehrsregelung zu tun hat.

Graz 2050. Welche Visionen braucht die Stadt?

In dieser Folge sprechen Bürgermeister Siegfried Nagl und die Kulturanthropologin Johanna Rolshoven über Visionen und Herausforderungen für die Stadt.

Fahrverbote würden beim Feinstaub nichts ändern? Ein Faktencheck

In der ersten Episode des neuen Podcast unterhalten sich die Schauspielerin Pia Hierzegger und Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) über Fahrverbote, das Ordnungsbedürfnis der Grazer, Cannabis und vieles mehr diskutiert. Bei einigen Aussagen haben uns Hörer um genauere Aufklärung gebeten, darum haben wir den Faktencheck zu Drogen, Feinstaub, Augarten und Co. gemacht. Hier geht’s zum Artikel.

Was ist Graz – laut gedacht?

Graz – laut gedacht ist der Podcast über alles, was die Grazerinnen und Grazer bewegt. Nomen est Omen: In unserem Podcast wird zu Beginn jeder Episode laut gedacht über etwas, das die Grazerinnen und Grazer aufregt, freut, ärgert, ihnen nutzt oder schadet , was uns und die Stadt bewegt.

Themenmäßig sind wir ganz offen, das Spektrum reicht von gesellschaftspolitischen Themen bis hin zu ganz Alltäglichem. In jeder Episode diskutieren zwei interessante Gäste mit einem Moderator aus der Kleine Zeitung-Redaktion.

Wichtig ist uns, dass eure Meinung dabei nicht zu kurz kommt. Deswegen hören wir uns vor jeder Folge auf der Straße um und fangen einige Stimmen ein, die wir dann ins Gespräch einfließen lassen. Falls ihr auch mitreden, uns etwas mitteilen, kritisieren, loben oder einfach euren Senf dazu geben wollt freuen wir uns über eure Nachricht anlaut.gedacht@kleinezeitung.at. Auf twitter sind wir übrigens auch.

Finden könnt ihr uns übrigens nicht nur hier, sondern auch auf Spotify und iTunes.