Allgemein

Graz, Stadt der Kärntner

Zu hören sind sie an fast allen Grazer Ecken; besonders nahe der Uni: Junge Menschen, die auf kärntnerisch „ratschen“. Mit Kärntner Einschlag diskutieren wir diesmal auch in Graz – Laut gedacht: Warum ziehen so viele junge Menschen vom Wörthersee an die Mur, was heißt das für Kärnten und was für Graz? Und wie könnte die Fertigstellung des Koralmtunnels die Weichen ganz neu stellen? Über diese Fragen spricht Kleine-Redakteur Thomas Macher mit der Wissenschafterin Sylvia Leitner und dem Musiker und Start-up-Gründer Thomas Hlatky, der aus Klagenfurt kommt und nun in Graz lebt.

Friedrich Felzmann – Die Hintergründe des Doppelmordes und der spektakulären Flucht

Herbst 2017: Ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit soll mit einem klärenden Gespräch beigelegt werden. Plötzlich fallen Schüsse aus einem Hinterhalt, zwei Menschen sterben. Der mutmaßliche Täter steht schnell fest: Friedrich Felzmann. Die sofort eingeleitete Fahndung verläuft erfolglos – bis heute.

Knapp eineinhalb Jahre nach der Tat weiß man einiges über dann Fall, die große Frage nach dem Verbleib des mutmaßlichen Mörders ist allerdings noch immer unbeantwortet. Kriminalreporter Hans Breitegger erzählt im Gespräch mit David Knes im der 13. Ausgabe des Podcasts von den Hintergründen des Falles und was dafür und dagegen spricht, dass Felzmann noch lebt.

Tanzen, Trinken, Türsteher: Was sich beim Ausgehen in Graz (nicht) verändert hat

„Eine florierende Stadt braucht ein intaktes Nachtleben“, findet Rudi Lackner. Er weiß wovon er spricht, zählte er doch ab Ende der Siebziger zu den Club-Pionieren in Graz (Mahé und später Theatro (jetzt ppc), heute Cafe Kaiserfeld). Wer vom Ausgehen spricht, muss in Graz natürlich auch übers Univiertel sprechen. Nach turbulenten Diskussionen wurde es in den letzten Jahren etwas ruhiger um die Ausgehmeile. „Das Univiertel von damals gibt es heute so nicht mehr“, erzählt Wolfgang Nusshold, Chef des Kottulinsky und verrät, wie es dazu kam und was ein Lokal braucht, um zu funktionieren.

Dazu kommen Grazerinnen und Grazer zu Wort, erzählen was sie an ihren Lieblingslokalen schätzen und was die Stadt noch brauchen könnte. Außerdem erfährt ihr, was sich am Tanz- und Kleidungsverhalten verändert hat, was gleich bleiben wird, warum es nicht mehr so viele Lokale gibt, oder dass Graz im Vergleich zum Wiener Nachtleben gar nicht so schlecht dasteht… Moderation: David Knes

Augartenbucht: Eine Debatte über Kostenexplosion und Tempo

Jetzt hat es sich ausgespielt: Die große Holzbrücke im Augarten wurde abgetragen, um Platz zu schaffen für die geplante Augartenbucht. Die Diskussion rund um dieses Projekt ist zuletzt aus zwei Gründen wieder aufgeflammt: Der Rechnungshofbericht hat die Planung zur Bucht regelrecht zerpflückt, spricht von „unnötigem Zeitdruck“ und warnt vor Mehrkosten. Diese sind auch tatsächlich eingetreten: Noch bevor die Bucht ausgehoben ist, steigen die Kosten um mehr als 25 Prozent – von 2,7 Millionen Euro auf 3,2 . Graz-Redakteur Gerald Winter-Pölsler lud zur Diskussion im Rahmen von Graz – Laut gedacht.

FPÖ-Klubchef Armin Sippel argumentiert, dass mit der Bucht die Mur den Grazern zugänglich gemacht wird. Im jüngsten Gemeinderat hatte er die Mehrkosten verteidigt: Nur, weil „sich die Kosten ein bissl erhöhen“, solle man nicht so ein Theater machen. Im Podcast spricht er sich für eine Reform der Bürgerbeteiligung in Graz aus. „Da gibt es Nachholbedarf.“

Andrea Pavlovec-Meixner, Umweltsprecherin der Grünen entgegnet, dass viele, die sich seit der Idee des Murkraftwerkes intensiv mit der Mur auseinandergesetzt haben, mittlerweile „eine ganz große Verzweiflung“ spüren. ÖVP und FPÖ würden „drüberfahren“ über die Interessen der Leute. Sie ist daher dafür, das eher „starre“ Modell der Grazer Bürgerbeteiligung auf neue Beine zu stellen – und lehnt die Augartenbucht konsequent ab.

Die Bauarbeiten für die Bucht selbst haben noch nicht begonnen, weil nach wie vor die wasser- und naturschutzrechtliche Genehmigung fehlt.

Verbrechen: Eine Leiche ohne Gesicht und Namen

In unserem inzwischen dritten Kriminalpodcast erzählt der langjährige Kriminalreporter Hans Breitegger im Gespräch mit David Knes von den Hintergründen des unglaublichen Falles der Olga TarkivskaNeben der Autobahn fand man die verkohlte Leiche, ihre Identität sollte sieben Jahre lang ungeklärt bleiben. In den Zeitraum fällt eine mysteriöse Reihe von weiteren Frauenmorden in Österreich. 2012 dann der Durchbruch bei den Ermittlungen. Man wusste nun, wer das Opfer ist und hatte auch Hinweise auf einen Verdächtigen für die schreckliche Bluttat. Doch dieser wurde bis heute nie befragt…

Der Staatsverweigerer-Prozess

Schon der Auftakt zum Staatsverweigerer-Prozess in Graz Mitte Oktober lieferte der Öffentlichkeit einen exemplarischen Einblick in die Welt derer, die die Republik mit der Begründung „Österreich ist eine Firma“ ablehnen. Wie erklärt diese Ideologie ihre von jedem vernünftigem Rechtsverständnis abweichenden Ansichten? Warum widmet man diesem Phänomen einen so kostspieligen Prozess und so viel Mediale Aufmerksamkeit? Und sind Justiz und Behörden für dieses relativ neue Phänomen gewappnet?

„Bisher hatte man ja gedacht, dass Hochverrat so etwas wie totes Recht ist. Aber es ist natürlich gültig und hochaktuell.“

Gerichtsreporter Alfred Lobnik, hat den bisherigen Prozess verfolgt und erzählt im Gespräch mit David Knes von den chaotischen Zuständen innerhalb der Staatsverweigerer, den Eigenheiten dieser wirklich außergewöhnlichen Verhandlung und seiner Bedeutung für Österreich als Rechtsstaat.

Reininghaus: Wie ein Stadtteil vom Reißbrett wirklich lebenswert werden soll

52 Hektar groß und nur 1,8 Kilometer von der Altstadt entfernt, entsteht in Reininghaus ein neuer Stadtteil. Die Fläche, die derzeit noch von den alten Brauereigebäuden dominiert wird, bietet dann Wohnraum für 12.000 Menschen. Moderne Wohnbauten und Hochhäuser werden das Stadtbild prägen, auch über 8.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Politik und Investoren versprechen einen modernen Stadtteil mit höchster Lebensqualität. Dass hübsche Architektur dafür nicht ausreicht, versteht sich (fast) von selbst. Doch wie bringt man richtiges Leben in einen neu gebauten Stadtteil dieser Dimension? Wie kann bei 12.000 „zusammengewürfelten“ Menschen ein Nachbarschaftsgefühl entstehen? Decken sich die Interessen der Anleger mit den öffentlichen? Wie hängt eine Abstimmung von 2012 mit dieser Sache zusammen?

Dass der Flair eines Stadtteils nicht von oben diktiert werden kann, sonder am besten „bottom-up“ stattfindet, hat die Kulturmanagerin und Stadtteilaktivistin Maria Reiner mit zahlreichen Projekten im Grazer Annenviertel gezeigt. Der Architekt Andreas Goritschnig arbeitet mit dem open.lab Reinighaus seit 2015 an der Belebung des Areals und übernimmt nun für zwei Jahre das Quartiersmanagement.

Im Gespräch mit David Knes erklären die beiden ihre Sicht der Dinge und erörtern, wie man mit einer Chance, wie sie eine Stadt nur selten bekommt, umgehen sollte.

Taugt Graz als Gründerstadt?

In der neuen Ausgabe unseres Podcasts loten wir die Rolle von Graz als Nährboden für Gründer aus und blicken auf eine rasch wachsende Szene, die sich nicht nur nach möglichst vielen Flugverbindungen sehnt.

1999 hat Martin Pansy gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen SMS.at gegründet. Heute steht der Grazer längst an der Spitze von weiteren erfolgreichen Start-ups wie Nuki, einem Spezialisten für smarte Türschlösser, oder der Unternehmensschmiede Up2Eleven. Gemeinsam mit Wirtschafts-Redakteur Markus Zottler und Andrea Keimel, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftsentwicklung in Graz und profunde Kennerin der Gründer-Szene, erläutert Pansy die Frage, ob Graz als Gründerstadt eigentlich taugt.

Erklärt wird etwa, warum wohl „kein zweites Facebook aus Graz kommen wird“, Gründen in der steirischen Landeshauptstadt heute trotzdem „hip und schick“ ist und sich die Stadt aktuell mit Linz „matcht“. Im Fokus steht freilich auch die Rolle der Politik im Gründungsprozess. Martin Pansys These: „Die öffentliche Hand bringt als Auftraggeber für Start-ups viel mehr, als es Geldförderungen tun.“

Verbrechen: Der Phantommörder

November 1981: Wenige Momente zuvor genoss Franz Gross noch einen netten Abend mit seinen Kollegen in einem Grazer Tanzlokal. Kurz vor ein Uhr morgens verlässt die Gruppe das Lokal – nicht ahnend, dass einer von ihnen gleich einem Attentat zum Opfer fallen wird. Ein maskierter Täter schießt auf Gross und entkommt unerkannt. Der 53-Jährige stirbt wenig später. Seine geschockten Kollegen sind Zeugen des Verbrechens, können zur Aufklärung aber nicht viel beitragen. Nichts im Umfeld des beliebten Familienvaters und Postbeamten liefert irgendein Motiv oder eine Erklärung für die Bluttat. Dennoch präsentiert die Polizei bald einen Verdächtigen – Die bereits zweite fatale Verwechslung in diesem Fall. Der Anschlag galt nämlich einem Unterweltboss und der erste Verdächtige hat nur eines mit dem Mordopfer gemein: seine Unschuld.

Der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, Hans Breitegger, erklärt in diesem Podcast die Hintergründe dieses einzigartigen Falles und wie in den folgenden Jahren nicht nur seine Journalistenkollegen und er unter Druck gesetzt wurden, sondern spricht auch über Mafia-Verbindungen, erpresste Justizvertreter und ein letztendlich eingestelltes Verfahren.

Ergänzung zur Folge über die Geiselnahme

In Reaktion auf unsere letzte Folge hat sich Gerhard Ofner bei uns gemeldet. Er war damals als einer der Beamten der Einsatzgruppe zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher derjenige, der als erster in die Ordination des Arztes gelangt ist und zusammen mit einem Kollegen den Arzt und den Rettungsfahrer geborgen und in Sicherheit gebracht hat.

Das sind seine Ergänzungen zu dem Podcast (zusammengefasst):

  • Nicht nur bei der Gendarmerie wurde das „GEK“ aufgebaut, sondern auch in den Bundespolizeidirektionen wurden „Einsatzgruppen zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher“ gebildet und Kriminalbeamte entsprechend ausgebildet und ausgerüstet. Das geschah ohne besondere Information der Öffentlichkeit.
  • Damals waren Beamte dieser Einsatzgruppe der BPD-Graz im Einsatz. Der Auftrag: „unblutige Beendigung der Geisellage, Befreiung der Geiseln und Festnahme des Täters“. Waffengebrauch im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen. Bei unmittelbar drohender Gefahr für das Leben der Geiseln war sofortiges Einschreiten (Konfrontation mit dem Täter) angeordnet. Die körperliche Unversehrtheit und das Lebens der Geiseln war unter allen Umständen zu schützen.
  • Nach der Bergung des Arztes und des Rettungsfahrers über die Feuerwehrleiter, wurde die Lage – die zuvor weitgehend unklar war – erkundet. Der Täter konnte immer wieder durch das Türschloss beobachtet werden. Die an dieser Türe stehenden Geiseln wurde erklärt (Gespräche im Flüsterton waren möglich), wie sie sich im Falle eines möglichen Sturms des Warteraumes verhalten sollten. Diese Informationen wurde auch unter den Geiseln weitergegeben.
  • Die Zeit, die bis zum Eintreffen des GEK vergangen war, war nicht „vergeudet“. Schon damals gab es Erkenntnisse über die Bewältigung von Geisellagen und die Führung von Verhandlungen, die einerseits den Täter ermüden, fehleranfällig und unaufmerksam machen und andererseits den Einsatzkräften Raum zur Entwicklung entsprechender Strategien schaffen sollten. Diese Taktik der Sicherheitsbehörden bei Geisellagen war und ist bis heute absolut lege artis. In diesem Sinne erfolgte auch die Einsatzplanung und die Auftragserteilung an das Zugriffsteam der BPD-Graz.