Ergänzung zur Folge über die Geiselnahme

In Reaktion auf unsere letzte Folge hat sich Gerhard Ofner bei uns gemeldet. Er war damals als einer der Beamten der Einsatzgruppe zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher derjenige, der als erster in die Ordination des Arztes gelangt ist und zusammen mit einem Kollegen den Arzt und den Rettungsfahrer geborgen und in Sicherheit gebracht hat.

Das sind seine Ergänzungen zu dem Podcast (zusammengefasst):

  • Nicht nur bei der Gendarmerie wurde das „GEK“ aufgebaut, sondern auch in den Bundespolizeidirektionen wurden „Einsatzgruppen zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher“ gebildet und Kriminalbeamte entsprechend ausgebildet und ausgerüstet. Das geschah ohne besondere Information der Öffentlichkeit.
  • Damals waren Beamte dieser Einsatzgruppe der BPD-Graz im Einsatz. Der Auftrag: „unblutige Beendigung der Geisellage, Befreiung der Geiseln und Festnahme des Täters“. Waffengebrauch im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen. Bei unmittelbar drohender Gefahr für das Leben der Geiseln war sofortiges Einschreiten (Konfrontation mit dem Täter) angeordnet. Die körperliche Unversehrtheit und das Lebens der Geiseln war unter allen Umständen zu schützen.
  • Nach der Bergung des Arztes und des Rettungsfahrers über die Feuerwehrleiter, wurde die Lage – die zuvor weitgehend unklar war – erkundet. Der Täter konnte immer wieder durch das Türschloss beobachtet werden. Die an dieser Türe stehenden Geiseln wurde erklärt (Gespräche im Flüsterton waren möglich), wie sie sich im Falle eines möglichen Sturms des Warteraumes verhalten sollten. Diese Informationen wurde auch unter den Geiseln weitergegeben.
  • Die Zeit, die bis zum Eintreffen des GEK vergangen war, war nicht „vergeudet“. Schon damals gab es Erkenntnisse über die Bewältigung von Geisellagen und die Führung von Verhandlungen, die einerseits den Täter ermüden, fehleranfällig und unaufmerksam machen und andererseits den Einsatzkräften Raum zur Entwicklung entsprechender Strategien schaffen sollten. Diese Taktik der Sicherheitsbehörden bei Geisellagen war und ist bis heute absolut lege artis. In diesem Sinne erfolgte auch die Einsatzplanung und die Auftragserteilung an das Zugriffsteam der BPD-Graz.