Ragnitzer Biobauern: „Warum wir trotz allem Stadtbauern sind“

Der Aschacherhof vis-à-vis des Berliner Rings in der Ragnitz ist Attraktion und Feinkostladen. Florian und Sandra Aschacher haben die Landwirtschaft mit 25 Hektar Grund, sieben Hektar Wald, 30 Milchkühen und 300 Hühnern 2014 übernommen und in einen Biobetrieb mit Hofladen verwandelt. Zwischen Supermärkten biegen Anrainer hierher ab, um Milch, Eier und vieles mehr zu kaufen. Das Ehepaar erfüllt auch einen Bildungsauftrag: Stadtkinder sehen Kühe weiden und lernen, dass die Wiederkäuer Hörner tragen.

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Das große Bauernsterben

Ja, so ein Paar ist fast schon eine Rarität im Land, in der Landeshauptstadt. Graz ist zwar größte Bauerngemeinde des Landes, doch grassiert auch hier das Landwirtesterben. Gab es 1999 noch 508 Betriebe, waren es 2010 nur noch 356, Tendenz sinkend. Die Dekadenzahl für 2020 wird erst ausgewertet.

In unserem Podcast „Graz laut gedacht“ geben uns die Aschacher Einblick in ihr Leben und eine Ahnung davon, warum immer weniger junge Menschen Höfe noch übernehmen. So ein Betrieb binde einen komplett. „Es ist Jahre her, dass wir gemeinsam auf Urlaub waren“, erzählt Sandra. Ein Elternteil fährt mit den beiden Töchtern ein paar Tage weg, der andere bleibt am Hof. „Als ich den Hof übernommen habe, war mir das klar. Das Ziel war, dass wir 2021/22 wieder gemeinsam auf Urlaub fahren. Schauen wir einmal.“ Wohin es dann ginge: Wohl nach Kroatien ans Meer.

Ohne Hofladen keine Chance

Der Lohn für die harte Arbeit? Der Preisdruck sei enorm, erzählt der Biobauer: „Es ist so, dass der Handel kalkuliert, wie viel Hühner wir halten, wie viel die Arbeit kostet, das Futter – und dann den Preis fürs Ei festsetzt.“ Ohne den Direktvertrieb könne man die Existenz so eines relativ kleinen Hofs nicht sichern, sagen die Aschachers und geben Einblick ins Geschäft.

50 Cent oder 1 Euro pro Liter Bio-Rohmilch

Sie verkaufen zehn Bio-Freilandeier verpackt aus dem Automaten rund um die Uhr um 3,50 Euro. Liefern sie an den Handel, gibt es dafür zwei Euro. Für einen Liter Bio-Rohmilch verlangen sie ab Hof einen Euro, liefern sie diese ab, erhalten sie gerade einmal die Hälfte.

Das Schöne am Bauersein

Trotz Ärgers über „zu viele Hunde“ auf den Weiden, mangelnden Respekt vor ihrem Eigentum, dem Wahnsinn des Flächenfraßes, der in Graz und Umgebung fruchtbarste Böden verschlingt, sehen sie auch die schönen Seite am Bauersein: „Jeden Abend habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles getan und wertvolle Nahrungsmittel produziert zu haben. Wir als Familie können uns ohne jeden Supermarkt selbst versorgen“, sagt Sandra. Und Florian liebt es, Tiere zu halten, sie morgens im Stall zu begrüßen, die Felder zu bestellen und nach einem Jahr harter Arbeit die Ernte einzufahren: „Ich wollte schon als Kind Bauer werden und fühlte die Verpflichtung diesen Hof zu übernehmen, was keiner aus der Familie tun wollte.“ Ob es ihn sonst heute noch in dieser Form gäbe? „Ich weiß es nicht!“